Ein guter
juristischer Übersetzer

Viele denken, Sie können juristische Texte übersetzen. Das stimmt aber nicht. Juristischer Übersetzer zu sein ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die eine Reihe spezifischer Fähigkeiten voraussetzt. Diese muss der Übersetzer perfekt beherrschen, um hochwertige, präzise Arbeitsergebnisse liefern zu können.

In diesem Artikel gehe ich detailliert auf die Merkmale eines guten juristischen Übersetzers ein und gebe Tipps für die gelungene Auswahl.


 

Sprachkenntnisse – das Fundament

Es geht nichts ohne perfekte Kenntnisse der relevanten Quell- und Zielsprache. Das ist das absolute Minimum. Trotzdem muss man es erwähnen. Fehlerfreie Grammatik, der richtige Satzbau, korrekte Rechtschreibung – all das muss er auch können. Dazu muss der Übersetzer rechtlicher Texte die Sprachen idiomatisch beherrschen. Und allfällige nationale oder regionale Besonderheiten auswendig kennen. Die Übersetzung muss stets auf die relevante Zielgruppe zugeschnitten sein.

Verständnis zweier Rechtsordnungen

Gründliche Kenntnisse der für die Übersetzung relevanten Rechtsordnungen sind das zentrale Merkmal eines juristischen Übersetzers. Sie machen ihn vom Übersetzer zum Fachübersetzer. Freilich können sich Nicht-Juristen auch dieses Wissen aneignen. Ich bin jedoch der Meinung, dass echte, praktische Erfahrung als Jurist bei der juristischen Übersetzung schwer zu ersetzen ist. Wenn man zuvor Praxis und Erfahrung gesammelt hat, liest man juristische Texte mit ganz anderen Augen. Und man übersetzt sie auch anders.

Daher ist man gut beraten, möglichst einen juristischen Übersetzer auszuwählen, der praktische Erfahrung im juristischen Bereich gesammelt hat.

Ein juristischer Übersetzer kommt nicht um die Auslegung herum

Manche argumentieren, der juristische Übersetzer soll keine Auslegung der zu übersetzenden Texte vornehmen: das sei die Arbeit eines Juristen. Das stimmt, aber nur zum Teil. In Wahrheit ist es unmöglich, eine gute juristische Übersetzung zu machen ohne den Quelltext zu analysieren und auszulegen. Nur so kommt man auf die richtige Bedeutung des Textes bzw. die wahren Absichten des Verfassers. Und somit auf die richtige Übersetzung.

Ein guter juristischer Übersetzer fragt nach

Juristische Texte beinhalten häufig Unklarheiten und Zweideutigkeiten. Dies könnte daran liegen, dass der Verfasser des rechtlichen Textes etwas schlicht übersehen hat. Es könnte aber auch das Ergebnis mühsamer Verhandlungen sein und einen hart gewonnenen Kompromiss darstellen. Was auch immer – wenn ein vertrauenswürdiger juristischer Übersetzer sich nicht 100% über die Bedeutung einer Formulierung im Klaren ist, fragt er beim Auftraggeber zügig nach. Das zeigt Kompetenz und Ernsthaftigkeit.

Hochwertige juristische Übersetzungen haben ihren Preis

Ein guter juristischer Übersetzer verlangt einen fairen Preis für seine Arbeit. Auch wenn manche Klienten in dieser Hinsicht beratungsresistent sind, bleibe ich bei dem Spruch: „whoever pays peanuts get the monkeys“. Das heißt: wer wenig zahlt, bekommt schlechte Ergebnisse. Vorsicht bei vermeintlichen juristischen Übersetzern, die die „beste“ Arbeit zu einem niedrigen Preis anbieten. Da stimmt was nicht.

Durch den Einsatz von MT Software & Post-Editing kann zwar die Effizienz der Übersetzungsarbeit  deutlich erhöht und die Kosten gesenkt werden. Das Verhältnis zwischen Preis und Leistung soll aber trotzdem der Qualität der Arbeit und den Qualifikationen des juristischen Übersetzers ausreichend Rechnung tragen.

Ein guter juristischer Übersetzer ist vertrauenswürdig

Ein guter juristischer Übersetzer – wie alle anderen Übersetzer auch – soll Vertrauen erwecken.  Er antwortet schnell auf Ihre Fragen und liefert Übersetzungen pünktlich innerhalb der vereinbarten Frist. Schlicht gesagt: er hält sein Wort.

Zum Vertrauen gehört auch mal „nein“ sagen zu können. Wir leben zwar durch unbequeme wirtschaftliche Zeiten; Übersetzer müssen zudem mit den Folgen der technologischen Entwicklung (MT) fertig werden. Aber ein juristischer Übersetzer, der beim Preis zu schnell nachgibt bzw. meint, sehr viel innerhalb kurzer Zeit liefern zu können und zwar in perfekter Qualität? Da sollen die Alarmglocken läuten.

Eine gute juristische Übersetzung braucht schließlich Zeit. Da fällt mir noch ein passender Spruch auf Englisch ein: „good things come to those who wait“. Bei der juristischen Übersetzung stimmt das!

4 Tipps für die Auswahl eines juristischen Übersetzers

1. Fangen Sie mit einer Web-Recherche an, z.B. in Google. Fassen Sie eine Liste von ca. 5 juristischen Übersetzern zusammen, die auf Sie einen seriösen Eindruck machen.

2. Holen Sie bei jedem potenziellen Übersetzungspartner eine kurze Testübersetzung ein. Eine Testübersetzung von 400 Wörtern soll ausreichen, um die Kompetenzen des juristischen Übersetzers zu beurteilen. Diese Probeübersetzung machen viele Übersetzer gratis. Wollen Sie den Übersetzer für Texte aus einem bestimmten Fachbereich beauftragen, sollte die Testübersetzung natürlich ebendiesen betreffen.

3. Preise für Übersetzungen variieren von Markt zu Markt und von Sprachkombination zu Sprachkombination. Was „ein fairer Preis“ ist kann daher schwer zu definieren sein. Fällt aber bei Ihrem Test ein Dienstleister deutlich aus dem Rahmen mit einem auffällig niedrigen Preis, ist Vorsicht geboten. Das könnte ein Zeichen mangelnder Qualität/Fähigkeit sein.

4. Beobachten Sie wie der Dienstleister mit dem potenziellen neuen Auftrag umgeht. Reagiert er/sie prompt auf Ihre Anfrage/Fragen? Welche Fragen stellt er zum Quelltext oder zu der gewünschten Übersetzung? Welche Sprachvariante ist erwünscht? Gibt es spezifische Regeln betreffend Terminologie oder Schreibstil, die zu beachten sind? Ein guter Übersetzer weiß, welche Fragen im Voraus zu klären sind, damit er „beim ersten Versuch“ eine Übersetzung liefert, die die Erwartungen des Kunden erfüllt – oder, noch besser – übertrifft!