Warum nur ein Jurist eine juristische Übersetzung richtig machen kann

Sie müssen einen Vertrag, AGBs, eine Urkunde oder ein Gerichtsurteil übersetzen lassen und die juristische Übersetzung muss rechtlich einwandfrei sein? Juristische Fachübersetzer sind bestimmt nicht günstig. Wenn’s passen muss, gibt es aber keine Alternative.

Die juristische Sprache ist eine ganz besondere Sprache. Einem Nichtjuristen mag es abgehoben, trocken – gar hochgestochen vorkommen. Die Wörter eines juristischen Textes werden schließlich nicht ihrer Schönheit oder ihrem Klang wegen ausgewählt; sie sollten eine bestimmte, erwünschte Rechtsfolge herbeiführen (oder verhindern).

Eine komplexe Kunst

Kurz gesagt: die Übersetzung eines juristischen Textes ist eine Kunst, die beherrscht werden will. Man muss nicht nur den juristischen Sinn und Zweck des Quelltextes als Ganzes verstehen, sondern auch den rechtlichen Inhalt der verwendeten Begriffe – in beiden Sprachen bzw. Rechtsordnungen. Wer kann das schon?

Nur jemand, der über fundierte rechtliche Kenntnisse verfügt kann auch rechtliche Texte korrekt übersetzen. Durch das Studium der Rechtswissenschaften sowie jahrelange Berufserfahrung entwickelt man das erforderliche Gespür für die Grundsätze eines Rechtssystems sowie deren Anwendung in der Praxis. Für Übersetzungen ins Englische oder aus dem Englischen sind dazu Kenntnisse von angelsächsischen Rechtssystemen von Vorteil.

Ein paar Beispiele aus der Praxis

An den folgenden Beispielen kann der Mehrwert eines juristischen Übersetzers veranschaulicht werden:

„Kündigung aus einem wichtigen Grund“

Ein Vertrag kann außerordentlich gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. In englischen Übersetzungen dieses Begriffes habe ich schon mal „termination on reasonable grounds“ gesehen. Auweia, das tut weh!

Das außerordentliche Kündigungsrecht kommt nur dann in Betracht, wenn die Fortsetzung eines vertraglichen Verhältnisses für den Kündigenden unter Betrachtung aller Umstände und nach Abwägung der Interessen beider Parteien nicht zumutbar ist.

Der Grund muss also ziemlich gravierend sein, bevor es zur außerordentlichen Kündigung berechtigt. „Reasonable grounds“ ist eine viel zu schwache Formulierung, um diese Schwere zum Ausdruck zu bringen; „termination for a significant reason“ ist viel besser.

„Die Forderungen aus dem Darlehen wurden abgetreten.“

Zumal Forderungen Vermögenswerte darstellen, können sie als Zahlungsmittel oder Sicherung fungieren. Die Forderungen werden von einer Person auf eine andere abgetreten; im Vertragsverhältnis mit dem Schuldner kommt es zu einem Gläubigerwechsel.

Häufig wird der obige Satz mit „the claims were transferred“ übersetzt. Das ist nicht ganz falsch, zumal es bei der Abtretung zu einem Übergang der Forderungen kommt. Die Formulierung „the claims were assigned“ ist jedoch rechtlich korrekter. Abgetreten können schließlich nur Rechte; es entspricht direkt dem englisch-rechtlichen Begriff von „assignment“. „Transfer“ wäre passend, wenn es sich um die Übernahme eines Vertrages samt allen Rechten und Pflichten handelt.

Fazit

Nur ein studierter Jurist kennt diese feinen, aber sehr wichtigen Unterschiede; nur ein juristischer Fachübersetzer kann sie richtig in die Zielsprache transportieren. Ein juristischer Übersetzer zu beauftragen wird in der Regel mehr kosten als ein allgemeiner Übersetzer; der erhöhte Aufwand wird sich aber lohnen. Arbeiten Sie mit einem juristischen Fachübersetzer, können Sie davon ausgehen, dass der Inhalt des Zieltextes rechtlich richtig ist – das senkt letztendlich Ihr eigenes rechtliches Risiko.

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