Juristische Übersetzung: auf diese 5 Dinge sollten Sie bei der Auftragserteilung achten!

Ein potenzieller Kunde hat Sie kontaktiert und will Sie mit einer juristischen Übersetzung beauftragen. Toll! Natürlich sind Sie etwas aufgeregt und wollen alles perfekt machen – denn Kunden auf diesem Markt zu finden ist schwierig. Diese 5 Tipps helfen Ihnen, die Auftragserteilung professionell und reibungslos abzuwickeln!

Klarheit schaffen über allfällige Stichtage

Wenn Sie mit der Übersetzung eines Gesetzestextes beauftragt werden, sollten Sie unbedingt nachfragen, welche Version der Norm zu übersetzen ist. Ein Tag kann einen riesigen Unterschied machen, z.B. wo ein Gesetz im Rahmen einer Reform überarbeitet wurde und neue Bestimmungen in Kraft treten.

Einigen Sie sich also über den Stichtag mit dem Kunden, sodass Sie 100% sicher sind, dass Sie den richtigen Text übersetzen.

Ordnung ist die halbe Miete

Speichern Sie sämtliche E-Mails und sonstige Korrespondenz in Verbindung mit der Auftragserteilung an einem Ort ab, wo Sie sie leicht wieder finden – auch nach Erledigung des Auftrages. So kann man spätere Fragen rasch beantworten oder Missverständnisse beilegen. Im Fall eines Rechtsstreits kann der Korrespondenz eine wichtige Beweisfunktion zukommen.

Für mich reicht es, E-Mails nach Kunde und Jahr des Auftrages zu speichern. Bekommt man von einem Kunden besonders viele Projekte, kann man auch Unterordner für unterschiedliche Projekte schaffen.

Hinweis: die Speicherung von E-Mails, die personenbezogene Daten enthalten, könnte datenschutzrechtliche Pflichten auslösen. Lassen Sie sich u.U. rechtlich beraten, um eine passende Lösung für diese Situation zu finden!

Nicht nur auf die Funktion schauen, sondern auch auf die Form

Stellen Sie klar, in welcher Form die Übersetzung geliefert werden sollte. Heute werden zwar die meisten Dokumente per E-Mail geschickt – es ist aber noch nicht 100% selbstverständlich, weshalb man sicherheitshalber nachfragen sollte.

Hier empfiehlt es sich, eine Klausel in Ihre AGBs aufzunehmen, wonach Übersetzungen grundsätzlich in elektronische Form geliefert würden; Lieferung in einer anderen Form bedürfe einer gesonderten schriftlichen Vereinbarung. Zur Geltung der AGBs siehe unten.

Lieber eine Wiederholung zu viel als zu wenig

Manchmal läuft die Auftragserteilung etwas chaotisch ab. Der Quelltext wird überarbeitet, der Kunde will einen Mengenrabatt haben, es kommen mehr Dokumente dazu…die E-Mails fliegen hin und her. Endlich sagt der Kunde „OK!“ und Sie fangen erleichtert mit der Arbeit an.

Nur – sind Sie wirklich über die wesentlichen Eckdaten des Auftrages (Preis, Quelltext, Liefertermin) einig? Im Rausch der Verhandlung kommt es oft vor, dass die Parteien mit unterschiedlichen Verständnissen weggehen. Das kann zu einem späteren Zeitpunkt unbequem werden, wenn Sie z.B. einen höheren Preis in Rechnung stellen als der Kunde im Kopf als vereinbart hat.

Daher: gehen Sie das Risiko ein, den Kunden leicht zu nerven und fassen Sie am Ende der Verhandlung das Vereinbarte noch einmal schriftlich zusammen. So beugt man effektiv Missverständnisse vor!

Geltung der AGBs (Österreich)

Wenn Sie Aufträge auf der Grundlage von AGBs ausführen und wollen, dass sie Bestandteil eines bestimmten Rechtsgeschäftes werden, müssen sie nach österreichischem Recht* noch vor dem Vertragsabschluss vereinbart werden.

Konkret heißt das, dass der Unternehmer seine Absicht, dem Rechtsgeschäft seine AGBs zu Grunde zu legen, vor dem Vertragsabschluss klarmachen muss. Darüber hinaus muss der Kunde die Möglichkeit haben, Kenntnis vom Inhalt der AGBs zu erlangen.

Wie oben ausgeführt, erfolgt die Erteilung eines Übersetzungsauftrages häufig durch den Austausch von E-Mails. Das erste Erfordernis könnte der Unternehmer erfüllen indem er z.B. einen passenden Hinweis auf die Geltung seiner AGBs in eine seiner E-Mails aufnimmt. Durch die Einfügung eines Links zu seinen AGBs in diese E-Mail, kann sich der Kunde über den Inhalt seiner AGBs informieren.

* die Rechtslage im Hinblick auf die Geltung von AGBs könnte in Deutschland und der Schweiz von jener in Österreich abweichen. Daher ist es ratsam, sich von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen.

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