It takes two – warum die Zusammenarbeit für eine juristische Übersetzung so wichtig ist

Man stellt sich Übersetzer wie Einzelkämpfer vor, die den ganzen Tag alleine in ihren Kammerlein sitzen und in den Bildschirm starren. Ihr ständiger Begleiter ist das Wörterbuch und die einzigen Menschen mit denen sie regelmäßig reden sind andere Übersetzer. Am liebsten streiten sie über die feinen Nuancen der Grammatik oder die Vorteile der neuen Übersetzungssoftware.

Dieses Bild stimmt – zum Teil. Als selbstständige Übersetzerin habe ich im Berufsalltag weit weniger Kontakt zu anderen Menschen als in meinen bisherigen Jobs. Ich verbringe viel Zeit damit, rechtliche Begriffe zu recherchieren, nach genau dem richtigen Wort in der Zielsprache zu suchen und einfach still nachzudenken. Das Dasein als „Berufseremitin“ ist mir recht – grundsätzlich.

Die Einsamkeit als Motor der Effizienz

Denn Einzelunternehmerin zu sein hat durchaus seine Reize. Ich kann arbeiten wann und wo und wie ich will. Ich bin kaum durch bürokratische Prozesse oder Abstimmungserfordernisse gebunden. Damit gewinne ich enorm an Effizienz und Flexibilität.

Wenn man mit einer Agentur arbeitet, wird der übersetzte Text meist durch einen zweiten fachkundigen Übersetzer geprüft und korrigiert, bevor es dem Kunden vorgelegt wird. Das wird von Zertifizierungen wie ISO 17100 verlangt. Diese zweite Runde dient der Behebung allfälliger Fehler und somit der Sicherung der Übersetzungsqualität.

Weg mit den Kommunikationsbarrieren!

In mehreren Hinsichten kann ich die Wirkung der diversen Zertifizierungen und Qualitätsstandards in der Übersetzungsindustrie kritisch hinterfragen. Dass zwei unterschiedliche Personen an einem Text arbeiten ohne miteinander oder mit dem Kunden reden zu können führt oft zu Missverständnissen und einer unschönen Vermischung von Schreibstilen im Zieltext. Das fördert meiner Meinung nach nicht die Qualität eines Textes – ganz im Gegenteil!

Das Grundprinzip, dass zwei Köpfe besser als einer sind bestreite ich hingegen nicht. Sie müssen nur miteinander reden können – und wollen. Eine andere Person zur Durchsicht und Prüfung einer Übersetzung heranzuziehen bringt nicht nur andere Kenntnisse und kritische Ansichten zum Tisch, sondern auch Objektivität. Es werden Fragen aufgeworfen und Diskussionen initiiert, auf die ein einziger Übersetzer nie gekommen wäre. Das führt zu einem besseren Verständnis des Textes und erhöht die Qualität des Endproduktes.

Übersetzer und Jurist – ein gutes Team

Auch wenn der Übersetzer selbst Jurist ist – Gedankenlesen gehört nicht zu seinem Berufsbild. Man kann unmöglich sämtliche Nuancen eines rechtlichen Dokumentes durchleuchten und verstehen in dem Moment, wo man es zum ersten Mal liest. Nur die Juristen, die ein Dokument verhandelt bzw. entworfen haben, können wirklich wissen, welche Absichten hinter den darin enthaltenen Formulierungen stecken.

Es liegt dann auf der Hand, dass die enge Kooperation zwischen Jurist und Übersetzer für die Richtigkeit und Qualität einer Übersetzung von Vorteil ist. Ob ein juristischer Übersetzer selbst den Quelltext rechtlich interpretieren darf, ist jedoch strittig. Daher wird es den juristischen Übersetzern nahegelegt: reden Sie! Stellen Sie Fragen, wo sie aufkommen. Suchen Sie während eines Übersetzungsprojektes aktiv den Kontakt zum Kunden, um offene Punkte zu besprechen.

Dies zeigt, dass Sie sich intensiv mit dem Quelltext beschäftigt haben und den Inhalt wirklich verstehen (wollen). Dies wiederum befestigt das Vertrauen des Auftraggebers in Ihnen und erhöht die Qualität Ihrer Arbeit. Und zufriedene Kunden sind Kunden, die gerne wieder zu Ihnen kommen.

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