Der Markt für Sprachdienstleistungen in Wien in 2017: eine Bestandsaufnahme

Im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien (WKW) wurde im Frühjahr 2017 eine Umfrage unter den Mitgliedern der Berufsgruppe der Übersetzungsbüros und Sprachdienstleister durchgeführt. Im Vergleich zu der vorigen Studie aus dem Jahr 2014 gab es keine großen Überraschungen. Doch man gewann dadurch ein paar interessante Einblicke in die aktuelle Situation auf dem Markt.

Im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien wurde im Frühling 2017 eine Umfrage unter den Übersetzungsbüros und Sprachdienstleistern in Wien im Auftrag gegeben. Die Befragung wurde in Form eines Online-Fragebogens durchgeführt. Unter anderen war das erklärte Ziel der Befragung, die Beauftragung von WKW-Mitgliedern durch Auftraggeber zu fördern.

Eines vorab: Lediglich 62 Mitglieder haben an der Befragung teilgenommen. Das schwächt die Aussagekraft der Ergebnisse deutlich. Es lässt die berechtigte Frage aufkommen, ob die sie überhaupt ein genaues Bild des Marktes abgeben. Doch auch mit diesem kleinen Rücklauf gewinnt man ein paar interessante Blicke in die aktuelle Situation der Wiener Sprachdienstleister.

Englisch weiterhin Spitzenreiter bei den übersetzten Sprachen

Zuerst – und wenig überraschend – kam die Erkenntnis, dass Englisch die am häufigsten übersetzte Sprache ist (74%), gefolgt von Französisch (26%) und Italienisch (19%). Die häufigsten Fachbereiche waren Wirtschaft und Recht. Dies deutet auf eine weiterhin starke Nachfrage nach Übersetzungskompetenzen in diesen spezialisierten Bereichen.

Übersetzer in Wien halten ihre Geschäftslage für mittelmäßig

Die Einschätzung der eigenen Geschäftslage fiel – wie im Jahr 2014 – mittelmäßig aus. Zwei Trends konnte man in den Antworten erkennen: erstens sahen die Agenturen mit Mitarbeitern ihre Geschäftslage positiver als die EPUs (Ein-Personen-Unternehmen) unter den Befragten. Zweitens: je älter das Unternehmen, desto positiver wurde die Geschäftslage beurteilt.

Im Hinblick auf den zweiten Trend: vielleicht lernt man mit zunehmender Erfahrung, dass man immer die kleinen Probleme und Tiefs des Unternehmertums ohne Schaden übersteht? Und, dass die Dinge fast immer besser sind, als man denkt? Interessant war auch, dass die Zufriedenheitswerte bei Unternehmen, die zwischen 4-10 Jahren alt sind, am besten ausgefallen sind. Bei den älteren Unternehmen, ging der Optimismus wieder leicht zurück. Über mögliche Gründe hierfür kann man nur spekulieren.

Je älter der Unternehmer, desto öfter als Hauptauftragsnehmer tätig

Die jüngeren Teilnehmer bei der Umfrage waren viel öfter über Agenturen tätig als die älteren, die eher direkte Kunden hatten. Wenig überraschend, eigentlich: aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist und wieviel Zeit es braucht, einen eigenen Kundenstamm aufzubauen. Agenturen bieten eine sehr gute Gelegenheit am Anfang der Selbstständigkeit, an Geld zu kommen während man daran arbeitet, eigene Kunden zu akquirieren.

Diese Theorie hätte man jedoch besser überprüfen können anhand eines Vergleiches zwischen dem Alter des Unternehmens und der Art der Tätigkeit (Hauptauftragnehmer vs. Subauftragnehmer). Die Studie enthält leider keine solche Gegenüberstellung.

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